Kann die offene Frage „Was wollt ihr“ auch ein Irrweg sein?

Warum die gut gemeinte Frage 'Was wollt ihr?' in unreifen Teams oft scheitert und zu frustrierenden Antworten führt. Lerne, wie du Fragen mit Kontext rahmst.

14. Juli 202122:38
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Das Wichtigste in Kürze

  • Die offene Frage "Was wollt ihr?" provoziert in unreifen oder traditionell geprägten Umgebungen häufig Antworten aus der alten Arbeitskultur, wie "Ich will in Ruhe für mich alleine arbeiten".
  • Effektive Fragen müssen einen klaren Kontext und Rahmen vorgeben. Unser Ziel sollte sein, dass das Team als Profis gemeinsam Verantwortung für eine sinnvolle Ausgestaltung übernimmt.
  • Ein praktisches Mantra für Agile Coaches: Stelle nur Fragen, bei denen du auch mit den möglichen Antworten leben und arbeiten kannst.
  • Konkrete Beispiele zeigen das Problem: Ein erstes Sprint-Ziel ohne Kontext, ein Daily ohne Fokus auf Fortschritt oder die Diskussion um Technik-Investitionen ohne Produkt-Ziel.
  • Die Frage ist nicht per se falsch, wird aber zum Irrweg, wenn die notwendige gemeinsame Verantwortung und das agile Mindset im Team noch nicht entwickelt sind.

Worum es geht

Viele Agile Coaches und Scrum Master starten mit der besten Absicht: Sie wollen ihre Teams ermächtigen und fragen "Was wollt ihr?". Was sie jedoch oft zurückbekommen, sind frustrierende, nicht umsetzbare oder sogar rückwärtsgewandte Vorschläge.

Das Problem ist nur: Diese offene Frage wird in einem Vakuum gestellt. Wenn der Kontext einer gemeinsamen Verantwortung für den Produkterfolg und einer agilen Zusammenarbeit noch nicht etabliert ist, fallen die Antworten naturgemäß in alte, vertraute Muster zurück. Die gut gemeinte Ermächtigung führt so direkt in die Dysfunktion.

Diese Episode analysiert, warum diese klassische Frage oft ein Irrweg ist und welche Art von Fragen Teams stattdessen wirklich voranbringt.

Für wen?

Für wen?

Diese Analyse ist ein essenzieller Weckruf für alle, die Teams in agilen Transformationen begleiten und sich über mangelnde Fortschritte oder frustrierende Retro-Ergebnisse wundern.

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Besonders wertvoll, wenn du:

  • Als Scrum Master oder Agile Coach erlebst, dass deine Team-Fragestunden (wie Retrospektiven) ins Leere laufen oder kontraproduktive Ergebnisse liefern.
  • Dich fragst, warum deine gut gemeinten Empowerment-Versuche auf Widerstand oder Unverständnis stoßen.
  • Praktische, sofort anwendbare Alternativen zu standardisierten Fragen suchst, die dein Team wirklich in die Verantwortung nehmen.

Episoden-Insights

1. Offene Fragen brauchen einen klaren Rahmen, sonst provozieren sie alte Muster

In einer Umgebung, die noch stark von traditionellen, isolierten Arbeitsweisen geprägt ist, ist die Frage "Was wollt ihr?" naiv. Sie ignoriert den vorhandenen kulturellen Kontext. Die Antworten werden daher nicht aus einer neuen, agilen Haltung der gemeinsamen Verantwortung kommen, sondern aus den alten, individuellen Bedürfnissen.

"Wenn du in einer solchen [alten] Umgebung fragst... dann solltest du dich nicht wundern, wenn die Antworten... 'dass ich in Ruhe für mich alleine arbeiten kann'... sind."

2. Das Mantra: Stelle nur Fragen, bei denen du mit den Antworten leben kannst

Ein praktischer Leitfaden für deine Moderation: Überlege vor jeder Frage, welche Bandbreite an Antworten du realistisch erwarten kannst und ob du diese produktiv aufgreifen und weiterführen kannst. Wenn die potenziellen Antworten dich in eine Sackgasse führen, ist die Frage falsch gestellt. Du musst die Erwartung an die Umgebung und den gewünschten Rahmen stärker in die Frage mit einbringen.

3. Drei konkrete Beispiele, wo die offene Frage scheitert

Die Episode zeigt drei alltägliche Szenarien:

  1. Erster Sprint: Ein Team ohne Vorgeschichte einfach nach seinem Sprint-Ziel zu fragen, überfordert es. Der nötige Kontext von Produkt-Vision und Stakeholder-Erwartungen fehlt.
  2. Das Daily: Die Frage "Was wollen wir heute besprechen?" ohne Fokus führt zu beliebigen Themen. Die zielführende Frage ist: "Was müssen wir besprechen, um unser Sprint-Ziel zu erreichen?"
  3. Technik-Investitionen: Ein Entwicklungsteam nach seinen Wünschen zu fragen, kann zu Forderungen führen, die vom Produktwert entkoppelt sind. Die konstruktive Diskussion muss den Produktkontext einbeziehen.

Dein nächster Schritt

Die richtige Fragestellung ist eine Kunst. Vertiefe dieses Thema mit unserem kompakten Leitfaden, der dir konkrete Formulierungen und Frameworks für schwierige Team-Situationen an die Hand gibt.

Kompakt-Guide: Die richtigen Fragen für agile Teams

Lerne, wie du Fragen mit Kontext rahmst, um echte Team-Empowerment zu fördern – inklusive praktischer Checklisten für Daily, Planning und Retrospective.

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