Scrum effektiv einführen, damit die Transformation gelingt

Warum Scrum-Einführungen oft scheitern: Unklare Rollen, fehlender Fokus & mangelnde Nachhaltigkeit. Lerne aus einer Praxis-Fallstudie mit Beiersdorf, wie es nachhaltig gelingt.

27. April 202151:01
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Gesprächsrunde

💬 Teilnehmer dieser Episode

  • Transformation Lead

    Senior Agile Coach

    Beiersdorf

  • Product Owner

    Product Manager

    Beiersdorf

  • Scrum Master

    Agile Coach

    Beiersdorf

Highlights aus dem Gespräch

Die wichtigsten Fragen und Antworten der Teilnehmer:

Frage 1

Wie startet man eine Scrum-Transformation in einem großen Konzern wie Beiersdorf?

Transformation Lead

Wir begannen mit einem Pilotprojekt in einem ausgewählten Bereich, der offen für Veränderung war. Wichtig war, nicht mit der großen Transformation zu starten, sondern erst zu lernen und Erfolge zu zeigen. Der Pilot diente als Lernfeld und Beweis, dass Scrum funktioniert. Erst dann skalieren wir schrittweise.

Scrum Master

Die Unterstützung des Managements war entscheidend. Wir haben frühzeitig Führungskräfte eingebunden und ihnen die Vorteile von Scrum erklärt – nicht als technisches Framework, sondern als Weg zu besserer Produktentwicklung und schnellerer Time-to-Market. Ohne dieses Buy-in wäre jede Transformation zum Scheitern verurteilt.

Frage 2

Welche Widerstände gab es und wie seid ihr damit umgegangen?

Product Owner

Der größte Widerstand kam von etablierten Prozessen und Hierarchien. Menschen fürchteten Kontrollverlust und Unsicherheit. Wir haben viel in Kommunikation und Schulung investiert – nicht nur How-to, sondern vor allem das Warum erklärt. Wichtig war, Ängste ernst zu nehmen und Raum für Fragen zu schaffen.

Transformation Lead

Die 'das-haben-wir-immer-schon-so-gemacht'-Mentalität war eine Hürde. Dagegen halfen konkrete Erfolgsgeschichten und Daten. Wir haben messbare Verbesserungen dokumentiert: kürzere Release-Zyklen, höhere Kundenzufriedenheit, reduzierte Fehlerraten. Fakten überzeugen besser als Überzeugungsarbeit.

Frage 3

Was hat sich durch Scrum in der Produktentwicklung verbessert?

Scrum Master

Die Transparenz und Vorhersagbarkeit sind dramatisch gestiegen. Früher wusste niemand genau, wann Features fertig werden. Jetzt haben wir klare Sprint-Ziele und regelmäßige Reviews. Die Time-to-Market hat sich halbiert, weil wir inkrementell liefern und frühes Feedback einholen können.

Product Owner

Die Kundenorientierung ist viel stärker geworden. Durch regelmäßige Reviews und die enge Zusammenarbeit im Team entwickeln wir nicht mehr im Elfenbeinturm, sondern beziehen Kundenfeedback kontinuierlich ein. Das führt zu Produkten, die besser den Marktbedürfnissen entsprechen und weniger Fehlentwicklungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Scrum ist kein Selbstläufer: Eine erfolgreiche Einführung braucht einen klaren Rahmen und punktuelle, externe Begleitung – reines Training reicht nicht für nachhaltige Veränderung.
  • Fokus auf das "lange Spiel": Statt schneller, oberflächlicher Methoden-Dressur ("kurzes Spiel") geht es darum, Teams zur Selbstorganisation und kontinuierlichen Verbesserung zu befähigen.
  • Rollenklarheit schaffen priorisieren: Ein häufiges Scheitern liegt an diffusen Rollen (z.B. 10 Product Owner ohne klare Entscheidungswege) und der Illusion, dass "alles wichtig" ist.
  • Der Berater als Spiegel: Eine effektive Begleitung schafft einen Rahmen, der dem Team den Spiegel vorhält – sie liefert keine fertigen Lösungen, sondern ermöglicht eigenes Lernen.
  • Transparenz und Mut sind Outcomes, nicht Theorien: Diese Werte werden nicht in Workshops besprochen, sondern durch die praktische Arbeit im geschützten Rahmen des neuen Systems aktiv implementiert.

Worum es geht

Die Einführung von Scrum und agilen Arbeitsweisen endet in vielen Unternehmen in Frustration. Die anfängliche Begeisterung verpufft, alte Muster kehren zurück, und das Team fühlt sich verloren. Woran liegt das?

In dieser Episode teilen Funda und Hendrik von Beiersdorf (NIVEA) ihren ungeschönten Erfahrungsbericht. Ausgangslage war ein fragmentiertes Projekt mit einem "riesigen Berg an Anforderungen", vielen Silos und einer unklaren Verantwortungsverteilung unter 10 Product Ownern. Die Komplikation: Alles schien gleich wichtig, es gab keine klare Roadmap, und das Ergebnis war Stillstand.

Die zentrale Frage, die sich das Team stellte, war: "Das kann nicht funktionieren... es funktioniert auch aktuell nicht, aber wie können wir da irgendwie jetzt besser werden?" Die Antwort, die sie fanden, war kein schnelles Rezept, sondern ein strukturierter Weg aus Zielklärung, Training, Simulation und vor allem punktueller Begleitung mit dem Fokus auf "Hilfe zur Selbsthilfe".

Für wen?

Für wen?

Diese Episode ist besonders wertvoll, wenn du:

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Besonders wertvoll, wenn du:

  • Als Führungskraft erlebst, dass deine Teams trotz agiler Ansätze nicht lieferfähiger werden und in Silos arbeiten.
  • Als Scrum Master oder Agile Coach dich fragst, wie du eine Scrum-Einführung nachhaltig gestalten kannst, ohne zum "Ticket-Einsteller" zu werden.
  • Als Product Owner oder Product Manager in einem undurchsichtigen Umfeld mit zu vielen Stakeholdern und konkurrierenden Prioritäten arbeitest.

Episoden-Insights

Erfolg braucht mehr als nur Training

Eine reine Schulung zu Scrum-Theorie reicht selten aus, um nachhaltige Veränderung zu verankern. Teams fallen ohne Begleitung schnell in alte Muster zurück. Der effektive Weg ist ein Mix aus Rahmenschaffung (klare Spielregeln und Ziele), praxisnahem Training und einer zeitlich begrenzten, aber intensiven Begleitung in der realen Arbeit. Diese Begleitung hilft, die Theorie in der komplexen Realität des Unternehmensalltags anzuwenden und Hindernisse zu überwinden.

"Was seriöse Leute anbieten können, ist ein Rahmen, der euch den Spiegel vorhält."

Bekämpfe die Illusion von "Alles ist wichtig"

Ein Hauptgrund für das Scheitern ist die fehlende Fähigkeit zu priorisieren und klare Entscheidungen zu treffen. Wenn alles Priorität hat, hat am Ende nichts Priorität. Die Episode zeigt, wie kritisch es ist, diese Illusion aufzubrechen und einen transparenten Prozess für Entscheidungen und eine fokussierte Roadmap zu etablieren. Oft liegt das Problem in unklaren Rollen – wer darf eigentlich was entscheiden?

Der Berater ist kein Lösungslieferant, sondern Ermöglicher

Effektive agile Begleitung zeichnet sich nicht dadurch aus, dass sie alle Tickets einstellt oder die perfekte Prozesslösung liefert. Ihre Kernaufgabe ist es, das Team zu befähigen, seine eigenen Probleme zu erkennen und zu lösen. Es geht um das "lange Spiel" der Teamentwicklung und Selbstorganisation, nicht um die kurzfristige Optimierung ("kurzes Spiel"). Der wahre Wert entsteht, wenn das Team die neue Denkweise verinnerlicht und der Berater überflüssig wird.

Dein nächster Schritt

Die Fallstudie zeigt: Nachhaltige Veränderung braucht einen durchdachten Ansatz. Du musst diesen Weg nicht alleine gehen.

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