Serie: Inkrementelle Entwicklung in der Praxis
User Experience (UX) und inkrementelle Entwicklung – Wie passt das zusammen?
Ausgehend von der Idee in inkrementeller Entwicklung, dass Lösungen emergent entstehen – also Schritt für Schritt durch frühes Feedback und kontinuierliches Lernen – stellt sich die Frage: Wie lässt sich User Experience (UX) effektiv damit in Einklang bringen?
Diese Frage ist nicht trivial, denn User Experience (UX) bringt eigene Anforderungen, Prozesse und Denkweisen mit, die auf den ersten Blick im Widerspruch zu schnellen, kleinen Entwicklungszyklen stehen können.
Diese Episode baut auf der Grundlagen-Folge zur inkrementellen Entwicklung auf:
59Hauptfolge
Oft missverstanden, inkrementelle Entwicklung in Scrum
Gast dieser Episode
Alper Aslan
UX Researcher und Lernbegleiter
DATEV
Das Wichtigste in Kürze
- Echte Agilität setzt direkten Marktkontakt voraus. Teams, die in funktionalen Silos (z.B. getrennt von UX/Research) arbeiten, können nicht aus Nutzererfahrungen lernen und bleiben im Lösungsraum stecken.
- Die Rolle des "Lernbegleiters" ist entscheidend. Ein UX-Experte entwickelt sich vom Spezialisten zum Befähiger, dessen Aufgabe es ist, das Team maximal unabhängig von ihm zu machen – Stichwort "Enablement statt Prescriptive".
- Cross-funktionale Teams sind keine Idealvorstellung, sondern eine Notwendigkeit für Wertschöpfung. Nur durch die Integration aller benötigten Skills im Team entsteht die Autonomie, Probleme des Kunden tatsächlich zu lösen.
- Starten Sie mit kleinen, autonomen Einheiten. Der Wandel von einer silo-basierten zu einer wertschöpfungsorientierten Organisation gelingt durch konkrete Pilot-Teams mit echter Entscheidungsgewalt.
Worum es geht
Viele Organisationen implementieren Scrum in der Hoffnung, agiler und kundenzentrierter zu werden. Was ich konsistent beobachte ist, dass diese Bemühungen oft ins Leere laufen, weil die grundlegende Struktur unverändert bleibt: Teams sind nach Funktionen getrennt, der Product Owner fungiert als Proxy zum Kunden und echte Nutzererfahrungen erreichen die Entwickler nie.
Das Problem ist nur: Agilität ohne diesen direkten Marktkontakt bleibt eine Farce. In dieser Episode spreche ich mit Alper Aslan, UX Researcher und Lernbegleiter bei der DATEV. Wir decken die strukturellen Hürden auf und zeigen anhand seiner praktischen Evolution vom UX-Spezialisten zum Team-Befähiger, wie Sie diese überwinden können. Die zentrale Frage, die wir beantworten: Wie stellen Sie den verlorengegangenen Marktkontakt in Ihrer Organisation wieder her und befähigen Ihre Teams, aus echten Nutzererfahrungen zu lernen?
Für wen?
Für wen?
Diese Episode ist besonders wertvoll, wenn du:
Besonders wertvoll, wenn du:
- Als Scrum Master oder Agile Coach spürst, dass dein Team zwar "Scrum by the book" macht, aber nicht wirklich aus Nutzerfeedback lernt und die echte Business-Wirkung ausbleibt.
- Als Product Owner oder Product Manager frustriert bist, weil du als einziger "Kontakt" zum Markt agierst und das Backlog eher feature-getrieben als problem-getrieben ist.
- Als Führungskraft die Herausforderung siehst, starre Silostrukturen in deinem Bereich oder Unternehmen aufzubrechen und Teams wirklich in die Wertschöpfung zu bringen.
Episoden-Insights
1. Silostrukturen ersticken echte Wertschöpfung im Keim
In traditionell aufgebauten Unternehmen sind UX, Development und Business oft strikt voneinander getrennt. Diese funktionale Teilung führt dazu, dass Informationen und Erkenntnisse über den Nutzer nicht direkt beim Team ankommen, das die Lösung baut. Das Team arbeitet damit an Vermutungen, nicht an validierten Problemen. Die eigentliche Wertschöpfung – das Lösen von Kundenproblemen – wird so behindert, bevor sie überhaupt beginnen kann.
"Wir müssen wieder hinkommen, diesen Marktkontakt, der Organisation wiederherzustellen, der durch die funktionale Teilung verloren gegangen ist."
2. Der UX-Experte muss sich vom Spezialisten zum Lernbegleiter entwickeln
Die klassische Rolle des UX-Researchers, der Studien durchführt und Ergebnisse präsentiert, reicht in agilen Kontexten nicht aus. Sie erzeugt Abhängigkeit. Die transformative Idee ist die des "Lernbegleiters": Eine Person, deren primäres Ziel es ist, das Team in die Lage zu versetzen, Nutzerkontakt und Research selbstständig durchzuführen und zu interpretieren. Meine neue Aufgabe ist, die Teams maximal unabhängig von mir zu machen. Das ist Enablement im Kern.
3. Cross-funktionalität ist der einzige Weg zur teamautonomie
Ein Team, das für die Wertschöpfung notwendige Skills wie Entwicklung, UX und Produktmanagement nicht in sich vereint, kann nicht autonom entscheiden und handeln. Es ist ständig auf Abstimmungen mit anderen Abteilungen angewiesen. Echte Cross-Funktionalität bedeutet nicht, dass jeder alles kann, sondern dass das Team als Ganzes über alle Kompetenzen verfügt, um von der Problemidentifikation bis zur Auslieferung zu gelangen – ohne Gatekeeper.
"Agilität ohne Marktkontakt gibt es keine Agilität, da bleibt das alles eine Farce."
Dein nächster Schritt
Kommt dir das bekannt vor? Die Erkenntnisse sind klar, aber die Umsetzung in Ihrer spezifischen Organisation ist die eigentliche Herausforderung. Lasst uns mal gemeinsam abgleichen, wo Sie stehen.
Strategiegespräch: Von Silo zu Wertschöpfung
In einem unverbindlichen 30-minütigen Call analysieren wir Ihre aktuellen Strukturen und identifizieren den ersten pragmatischen Schritt zu mehr Teamautonomie und Marktkontakt.
Gespräch vereinbaren →Ressourcen
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