Serie: Inkrementelle Entwicklung in der Praxis
Product Discovery und inkrementelle Entwicklung – Wie passt das zusammen?
Ausgehend von der Idee in inkrementeller Entwicklung, dass Lösungen emergent entstehen – also Schritt für Schritt durch frühes Feedback und kontinuierliches Lernen – stellt sich die Frage: Wie lässt sich Product Discovery effektiv damit in Einklang bringen?
Diese Frage ist nicht trivial, denn Product Discovery bringt eigene Anforderungen, Prozesse und Denkweisen mit, die auf den ersten Blick im Widerspruch zu schnellen, kleinen Entwicklungszyklen stehen können.
Diese Episode baut auf der Grundlagen-Folge zur inkrementellen Entwicklung auf:
59Hauptfolge
Oft missverstanden, inkrementelle Entwicklung in Scrum
Gast dieser Episode
Heiko Stapp
Emendare
Das Wichtigste in Kürze
- Product Discovery ist kein Ersatz für Scrum, sondern beschleunigt das Lernen innerhalb des Frameworks. Sie führt zu besseren, validierten Product Increments, nicht zu weniger oder späteren.
- Die größte Verschwendung ist es, etwas zu bauen, was niemand braucht. Discovery-Techniken wie Paper Prototyping oder Fake Doors helfen, diese Verschwendung früh zu erkennen.
- Verfällt nicht in alte Muster. Lange, getrennte Vorplanungsphasen sind der falsche Weg. Echte Discovery ist ein kontinuierlicher, integrierter Prozess.
- Bewertet Ideen in drei Dimensionen: Ist etwas wünschenswert (für den Nutzer), machbar (für die Technik) und rentabel (für das Business)? Nur was alle drei Kriterien erfüllt, sollte gebaut werden.
Worum es geht
Viele Scrum-Teams geraten in eine operative Falle: Der Fokus verschiebt sich vom inkrementellen Lernen und Validieren hin zur bloßen Abarbeitung von Features aus einem Backlog. Gleichzeitig gibt es die Versuchung, durch lange Planungs- und "Discovery"-Phasen vor dem Sprint Sicherheit zu erzeugen – was agile Prinzipien untergräbt.
In dieser Episode spricht Ralf mit dem erfahrenen Scrumtrainer Heiko Stapp über den pragmatischen Mittelweg: Wie integriert man Product Discovery nahtlos in Scrum, um schneller zu lernen und wirklich wertvolle Product Increments zu liefern, ohne in die Feature-Factory oder in starre Vorplanung zurückzufallen.
Für wen?
Für wen?
Diese Episode ist besonders wertvoll, wenn du:
Besonders wertvoll, wenn du:
- Als Product Owner oder Product Manager das Gefühl hast, nur noch eine Feature-Factory zu bedienen und echte Validierung zu vermissen.
- Als Scrum Master oder Agile Coach suchst, wie du dein Team dabei unterstützen kannst, den Fokus vom reinen Abarbeiten zurück zum Lernen zu lenken.
- In einem Entwicklungsteam sitzt und frustriert bist, weil vieles, was ihr baut, später nicht genutzt wird oder unsicher ist.
- Als Führungskraft verstehen willst, wie du eine Kultur des kontinuierlichen Lernens und der Risikominimierung in der Produktentwicklung fördern kannst.
Episoden-Insights
1. Discovery dient dem besseren Delivery, nicht der Verzögerung
Eine effektive Product Discovery ist kein vorgeschalteter, monatelanger Forschungsprozess. Ihr Ziel ist es, das Lernen über Nutzerbedürfnisse und Marktannahmen so zu beschleunigen, dass jedes Product Increment wertvoller und risikofreier wird. Sie ist ein kontinuierlicher Fluss, der parallel zum Delivery stattfindet und es ermöglicht, fundiertere Entscheidungen im Sprint zu treffen.
"Eine gute Produkt-Discovery führt dazu, dass wir bessere Product-Increments machen und nicht dazu, dass wir später oder weniger Product-Increments machen."
2. Die drei Dimensionen der Produktbewertung
Bevor eine Idee ins Sprint Backlog wandert, sollte das Team sie gemeinsam auf drei Kernfragen prüfen: Ist das Produkt oder Feature wünschenswert (löst es ein echtes Nutzerproblem?), machbar (können wir es mit unserer Technologie umsetzen?) und rentabel (trägt es zum Geschäftserfolg bei)? Diese gemeinsame Betrachtung verhindert einseitige Entscheidungen und schafft Klarheit.
3. Konkrete Techniken ersetzen Spekulation
Statt lange zu diskutieren, ob eine Idee gut ist, nutzt man einfache Experimente, um Annahmen zu testen. Dazu gehören Low-Fidelity-Methoden wie Paper Prototyping (um Nutzerinteraktion zu testen) oder Fake Doors (um echtes Interesse für eine nicht-existente Funktion zu messen). Diese schnellen, günstigen Tests reduzieren das Risiko, die falsche Sache zu bauen, erheblich.
"Die größte Form der Verschwendung, die ihr machen könnt, ist etwas zu bauen, zu testen, zu designen und auszuliefern, was am Ende gar nicht gebraucht wird."
Dein nächster Schritt
Verstehst du das Problem, aber weißt nicht, wie du konkret mit Discovery-Techniken in deinem Team starten kannst? Unser kompakter Guide führt dich durch die ersten Schritte.
Praktischer Starter-Guide: Product Discovery in Scrum
Lerne 3 konkrete Experimente kennen, die du nächste Woche in deinem Team ausprobieren kannst – ohne den Sprint zu stören.
Guide herunterladen →Ressourcen
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