Daily Scrum Nachlese – Interview mit Anna Rudat

Warum Daily Scrums oft leere Rituale sind und wie eine gute Moderation sie zum Brennglas für Teamgesundheit macht. Konkrete Tipps für Scrum Master.

21. Januar 202012:32
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Gast dieser Episode

Anna Rudat

Executive Consultant & Certified Scrum Trainer

wibas GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Daily Scrum ist ein Diagnose-Tool: Er zeigt dir als Scrum Master oder Führungskraft ungeschminkt, wie es um die Team-Zusammenarbeit, Transparenz und Eigenverantwortung steht.
  • Die Haltung des Scrum Masters ist entscheidend: Stelle dich bewusst hinter oder neben das Team. Nur so siehst du die Dynamik und kannst Impulse geben, anstatt das Meeting zu dominieren.
  • Fokus auf Dialog, nicht auf Berichterstattung: Das Ziel ist nicht, dem Product Owner Status zu melden, sondern dass das Team miteinander ins Gespräch kommt und Pläne für den Tag schmiedet.
  • Gäste sind willkommen – unter einer Bedingung: Externe dürfen zuhören, aber nicht aktiv eingreifen. So bleibt der Safe Space des Teams gewahrt und Transparenz wird trotzdem hergestellt.

Kontext: Bezug zur Hauptfolge

In Episode #5: Daily Scrum habe ich über das Daily Scrum als zentrales Inspect & Adapt-Event gesprochen und die häufigsten Fallen beleuchtet, in die Teams dabei tappen.

In dieser Nachlese vertiefe ich das Thema im Dialog mit Anna Rudat (Certified Scrum Trainer bei wibas). Sie bringt langjährige Praxiserfahrung aus der agilen Transformation mit und zeigt konkret, wie Scrum Master durch bewusste Moderation und Haltung den Daily Scrum zum Brennglas für Teamgesundheit machen.

Über den Gast: Anna Rudat

Anna Rudat ist Executive Consultant und Certified Scrum Trainer (CST) bei wibas GmbH in Darmstadt. Mit über 8 Jahren Erfahrung in agiler Transformation begleitet sie Organisationen und Teams auf ihrem Weg zu echter Selbstorganisation.

Expertise & Schwerpunkte:

  • CST (Certified Scrum Trainer) – Eine der wenigen zertifizierten Scrum-Trainerinnen in Deutschland
  • Spezialisiert auf Change Management und Agile Coaching
  • Expertin für effektive Feedback-Prozesse in agilen Teams
  • Seit 2017 bei wibas GmbH als Executive Consultant

Warum diese Perspektive wertvoll ist: Anna Rudat bringt als Certified Scrum Trainer fundierte Praxiserfahrung aus der agilen Transformation mit. Ihr Schwerpunkt auf Change Management und effektiven Feedback-Prozessen bietet wertvolle Einblicke für die Gestaltung und Verbesserung von Daily Scrums und anderen Team-Meetings.

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Worum es geht

Versteht mich nicht falsch: Fast jedes Team im agilen Umfeld hält ein Daily Scrum ab. Das Problem ist nur, was ich konsistent beobachte: Oft verkommt dieses zentrale Event zu einem leeren Ritual. Drei Personen berichten nacheinander ihren Status, es gibt keinen echten Austausch, und Verantwortung für den Fortschritt wird nicht gemeinsam übernommen.

In dieser Nachlese zum Interview mit Anna Rudat gehen wir der Frage nach: Wie schaffen wir es, aus dem Daily Scrum mehr zu machen als ein Pflichtmeeting? Wie wird es zu dem, was es sein soll – ein Brennglas für die Teamgesundheit und ein Katalysator für tägliches Lernen und Anpassen?

Für wen?

Für wen?

Diese Episode ist besonders wertvoll, wenn du:

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Besonders wertvoll, wenn du:

  • Als Scrum Master oder Agile Coach spürst, dass eure Daily Scrums mechanisch und energielos ablaufen und du konkrete Hebel für Veränderung suchst.
  • Als Team- oder Abteilungsleiter verstehen willst, warum deine Teams in ihren Daily-Meetings nicht vorankommen und was das über die Teamdynamik aussagt.
  • Als Product Owner unsicher bist, ob und wie du am Daily Scrum teilnehmen solltest, um Transparenz zu erhalten, ohne die Teamautonomie zu stören.

Episoden-Insights

1. Der Daily Scrum als Diagnose-Instrument

Ein gut moderiertes Daily ist kein Selbstzweck, sondern das beste Frühwarnsystem, das du als Scrum Master oder Teamlead haben kannst. Es zeigt dir, ob das Team wirklich zusammenarbeitet oder nur koexistiert, ob es Hindernisse offen anspricht oder sie unter den Teppich kehrt. Was ich hier konsistent beobachte ist: Die Qualität des Dailys ist ein direkter Indikator für die Reife des Teams.

"Der Daily Scrum ist für mich so ein Brennglas, von dem was passiert." – Anna Rudat

Was das in der Praxis bedeutet:

  • Schaue nicht nur auf den Inhalt (welche Tasks werden besprochen), sondern auf die Interaktion (wie sprechen die Teammitglieder miteinander?)
  • Beobachte Körpersprache, Energie-Level, und wer mit wem spricht (oder nicht spricht)
  • Nutze das Daily als Indikator, um später gezielt nachzufassen oder Team-Coaching anzubieten

2. Die unsichtbare Rolle des Scrum Masters

Deine physische Position im Raum sendet ein starkes Signal. Wenn du vorne stehst und das Meeting "leitest", nimmst du dem Team die Verantwortung und blendest dich für die gruppendynamischen Signale. Die wirksamere Haltung ist die des Dienstleisters im Hintergrund.

"Stell das Team vorne vor das Portal. Du kannst an der Seite oder hinter dem Team [...] stehen. Wenn ich vorne dran stehe [...] sehe ich das nicht." – Anna Rudat

Konkrete Tipps von Anna:

  • Physische Position: Stelle dich bewusst hinter oder seitlich vom Team – nie vorne
  • Blickrichtung: Schaue auf das Team, nicht auf das Board (das sieht das Team selbst)
  • Beobachtungsfokus: Wer redet mit wem? Wer schaut weg? Wo entstehen Spannungen?
  • Intervention: Nur wenn das Team wirklich stecken bleibt – sonst Zurückhaltung üben

3. Vom Monolog zum Team-Dialog

Das klassische "Was habe ich gestern gemacht?"-Schema fördert Einzelkämpfertum. Die eigentliche Kunst der Moderation liegt darin, das Gespräch zwischen den Teammitgliedern zu entfachen. Es geht darum, dass sie sich gegenseitig Fragen stellen, Abhängigkeiten erkennen und gemeinsam den nächsten Schritt planen – nicht darum, einem Product Owner oder Scrum Master Bericht zu erstatten.

Wie du echten Dialog förderst:

  • Frage das Team: "Wer möchte anfangen?" statt selbst jemanden aufzurufen
  • Ermuntere Nachfragen: "Hat jemand eine Frage dazu?" nach jedem Update
  • Sprint-Ziel im Fokus: "Wie kommen wir heute dem Sprint-Ziel näher?" statt "Was hast du gestern gemacht?"
  • Abhängigkeiten sichtbar machen: "Braucht jemand Unterstützung?" aktiv erfragen

4. Gäste sind willkommen – aber mit klaren Regeln

Ein häufiges Dilemma: Stakeholder wollen Transparenz, aber ihre Anwesenheit stört die Team-Dynamik. Annas pragmatischer Ansatz schafft Balance.

"Gäste können dabei sein, aber sie dürfen sich nicht einmischen." – Anna Rudat

Die Spielregeln für Gäste:

  1. Zuhören erlaubt: Stakeholder dürfen teilnehmen und beobachten
  2. Nicht eingreifen: Keine Fragen, keine Kommentare während des Dailys
  3. Parking Lot: Nach dem Daily können Gäste Fragen stellen oder Themen ansprechen
  4. Transparenz schaffen: Erkläre vorab die Regeln – für Team UND Gäste

Diese klare Abgrenzung schützt den Safe Space des Teams und ermöglicht gleichzeitig die gewünschte Transparenz für die Organisation.

Dein nächster Schritt

Kommt dir das bekannt vor? Wenn du diese Tipps direkt in deine nächste Team-Moderation einfließen lassen willst, hol dir unseren praxisnahen Leitfaden.

Kompakt-Guide: Das Daily Scrum moderieren

Eine kurze, anwendbare Checkliste mit den wichtigsten Moderationstechniken und Beobachtungspunkten für dein nächstes Daily.

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Interview-Highlights

Die wichtigsten Fragen und Antworten aus dem Gespräch:

💡 Diese Q&As sind als Schema.org QAPage strukturiert für bessere Sichtbarkeit in Suchmaschinen.

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