Das Wichtigste in Kürze
- Kein Status-Meeting: Das Daily Scrum ist ein Inspect & Adapt Event, kein Reporting-Termin. Es geht um die Frage: "Wie kommen wir heute dem Sprint-Ziel näher?" – nicht um "Was habe ich gestern gemacht?"
- Der Takt des Sprints: Hier koordiniert das Entwicklungsteam seine Arbeit täglich und übernimmt damit echte Verantwortung für das Sprint-Ziel.
- Ungewohnte Arbeitsweise: Die meisten Umgebungen sind nicht gewohnt, auf diesem Level selbstorganisiert zu arbeiten. Das Daily verfällt daher oft zu einem blutleeren Status-Meeting, wo jeder seine Info meldet und hofft, "dass irgendwer die Sachen schon irgendwie angeht."
- Den Raum füllen lernen: Teams müssen aktiv lernen, den Raum der Selbstorganisation zu füllen. Wenn das nicht passiert, werden alte "Leithammel" wieder anfangen zu steuern – und rauben Scrum damit seine Dynamik.
Worum es geht
Situation: Das Daily Scrum ist das am häufigsten durchgeführte Scrum-Event (täglich!), aber gleichzeitig das am meisten missverstandene. In den meisten Organisationen habe ich beobachtet, dass es zu einem mechanischen Status-Update verkommt: "Was habe ich gestern gemacht? Was mache ich heute? Habe ich Blocker?" – Punkt für Punkt abgehakt, ohne dass echte Koordination oder Anpassung stattfindet.
Komplikation: Die Herausforderung ist nicht, dass Teams das Format nicht verstehen. Das Problem liegt tiefer: Jahrelang wurden sie von Leadern, Projektmanagern oder Scrum Mastern gesteuert. Jetzt gibt Scrum dem Team einen Raum für Selbstorganisation – aber niemand hat ihnen gezeigt, wie man diesen Raum füllt. Wenn das Team das nicht lernt, werden die alten "Antreiber" ungeduldig und springen wieder ein. Das tötet die selbstorganisierte Dynamik.
Frage: Wie schaffen wir es, dass das Daily Scrum mehr wird als ein schnödes Status-Meeting? Wie helfen wir Teams, den Raum zu füllen und echte Verantwortung für ihr Sprint-Ziel zu übernehmen?
Für wen?
Für wen?
Diese Episode ist besonders wertvoll, wenn du:
Besonders wertvoll, wenn du:
- Als Scrum Master merkst, dass euer Daily Scrum mechanisch abläuft und keine echte Energie hat
- Als Entwicklungsteam-Mitglied das Gefühl hast, dass das Daily Zeitverschwendung ist ("Warum muss ich jeden Tag erzählen, was ich mache?")
- Als Product Owner im Daily sitzt und dich fragst, ob das wirklich notwendig ist (Spoiler: Du musst nicht dabei sein!)
- Als Führungskraft oder Manager verstehen willst, was im Daily passieren sollte und warum das wichtig ist für echte Selbstorganisation
Episoden-Insights
1. Das Daily Scrum ist ein Inspect & Adapt Event
Das Daily Scrum ist nicht dazu da, dem Product Owner oder Scrum Master zu berichten. Es ist ein Event für das Entwicklungsteam, um täglich zu inspizieren: "Wo stehen wir beim Sprint-Ziel?" und anzupassen: "Was müssen wir heute tun, um näher dran zu kommen?"
Was ich konsistent beobachte: Teams verfallen in die alten Muster. Sie berichten ihre Arbeit, anstatt sie zu koordinieren. Das erkennst du daran, dass alle in eine Richtung schauen (zum Scrum Master oder PO), statt zueinander zu sprechen.
"Das Daily Scrum ist der Takt des Sprints. Hier muss das Team zusammenkommen, um tatsächlich zusammen zu arbeiten. Wenn das nicht funktioniert, dann hast du einfach ein großes Problem."
Was das in der Praxis bedeutet:
- Fokus auf das Sprint-Ziel: "Wie kommen wir heute dem Ziel näher?" statt "Was habe ich gestern gemacht?"
- Team spricht miteinander: Nicht jeder berichtet an den Scrum Master, sondern Teammitglieder sprechen direkt miteinander
- Anpassung passiert sofort: Wenn Abhängigkeiten auftauchen → direkt klären, nicht "später besprechen"
2. Die meisten Teams sind diese Arbeitsweise nicht gewohnt
Vor Scrum wurden Teams gesteuert. Projektmanager, Team Leads oder andere "Antreiber" haben dafür gesorgt, dass die Arbeit passiert. Jetzt übernimmt das Team diese Verantwortung im Sprint – aber das ist ein fundamentaler Shift, den viele unterschätzen.
Typische Symptome, dass der Shift nicht passiert ist:
- Jeder "meldet" seine Arbeit, wie in einem klassischen Status-Meeting
- Es gibt keine echte Diskussion oder Koordination
- Nach dem Daily gehen alle zurück an ihre isolierte Arbeit
- Blocker werden genannt, aber niemand fühlt sich verantwortlich sie zu lösen
Das ist gefährlich, weil: Wenn das Team den Raum nicht füllt, werden die alten "Leithammel" wieder anfangen zu steuern. Sie werden ungeduldig und springen ein – und damit rauben sie Scrum seiner Dynamik aus echter Selbstorganisation.
3. Facilitation-Tipps für ein flüssiges Daily Scrum
Das Daily soll reibungsfrei ablaufen und nach innen wie außen Zuversicht geben. Hier sind konkrete Tipps, wie du als Scrum Master dabei helfen kannst:
Fokus auf das Sprint-Ziel:
- Beginne jedes Daily mit dem Sprint-Ziel: "Unser Ziel diese Woche ist XYZ. Wie stehen wir da?"
- Wenn jemand über Arbeit spricht, die nichts mit dem Ziel zu tun hat → nachfragen: "Wie hilft das uns beim Sprint-Ziel?"
Dialog fördern, nicht Monologe:
- Schlecht: "Jeder sagt reihum, was er gestern gemacht hat"
- Gut: "Wer kann heute an dem kritischen Feature weiterarbeiten? Wer braucht Unterstützung?"
Visualisierung nutzen:
- Steht vor dem Task Board oder Kanban Board
- Geht durch die Karten von rechts nach links (von "fast fertig" zu "neu")
- Fokus: "Was müssen wir heute abschließen?"
Kurz und knackig:
- 15 Minuten Time-Box ernst nehmen
- Lange Diskussionen → nach dem Daily klären
- Aber: Kurze Klärungen sind OK! Es geht um Effizienz, nicht um Rigidität
4. Den Raum für Selbstorganisation füllen
Das ist der schwierigste Teil. Das Team muss aktiv lernen, Verantwortung für das Sprint-Ziel zu übernehmen. Das passiert nicht über Nacht.
Was du als Scrum Master tun kannst:
Fragen stellen statt Antworten geben:
- "Was braucht ihr heute, um dem Ziel näher zu kommen?"
- "Wer kann diesen Blocker auflösen?"
- "Was ist der kritische Pfad zum Sprint-Ziel?"
Muster unterbrechen:
- Wenn jemand in "Status-Report-Modus" verfällt → freundlich umlenken: "Danke! Und was bedeutet das für unser Sprint-Ziel heute?"
- Wenn alle dich anschauen → einen Schritt zurück treten, damit klar wird: "Das ist eure Show, nicht meine"
Erfolge sichtbar machen:
- Wenn das Team sich gut koordiniert → explizit würdigen: "Das war gut! Ihr habt direkt geklärt, wer heute was macht."
- Nach dem Sprint Review: "Erinnert euch, wie ihr im Daily koordiniert habt – das war der Grund, warum wir das Ziel erreicht haben"
Verwandte Ressourcen
- Folge #6: Daily Scrum Nachlese – Interview mit Anna Rudat – Vertiefung mit Certified Scrum Trainer Anna Rudat
- Training: Certified Scrum Master (CSM) – Hier üben wir genau solche Facilitation-Skills in realistischen Simulationen
Dein nächster Schritt
Hört sich das bekannt an? Wenn euer Daily Scrum sich mechanisch anfühlt und nicht den Unterschied macht, den es machen sollte, dann lass uns mal darüber sprechen.
Kostenfreies Gespräch: Daily Scrum optimieren
In einem 30-minütigen Call schauen wir uns an, warum euer Daily nicht den erhofften Impact hat und identifizieren konkrete erste Schritte.
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Die wichtigsten Fragen und Antworten aus Episode #5:
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