Product Vision. Gemeinsam erstellen und leben.

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Die Produktvision ist ein gemeinsames, übergeordnetes Ziel. Sie ist der Leuchtturm, der in Scrum Orientierung gibt. In der Praxis erlebt man es jedoch häufig, dass die Produktvision entweder nicht ganz klar ist oder innerhalb einzelner Abteilungen unterschiedlich interpretiert wird. Obwohl sie essentiell für den Erfolg eines Produktes ist, bleibt sie oft unverstanden oder wird sogar ignoriert. Es gilt, die Herausforderungen beim Erstellen der Produktvision zu überwinden und sie aktiv in der agilen Arbeit mit Scrum zu leben. In Podcast-Folge #24 „Product Vision“ gehe ich auf die Schwierigkeiten beim Formulieren und Leben der Produktvision ein. Ich verdeutliche anhand von Beispielen, was eine gute Produktvision ausmacht und erkläre, wie man diese gemeinsam erstellen und leben kann.

Die Product Vision: Der Leuchtturm, der in Scrum für Orientierung sorgt.

 

Die Produktvision hat eine wichtige Bedeutung in Scrum. Aber warum brauchen wir überhaupt eine Produktvision? Für mich gibt es fünf Gründe, die die Notwendigkeit einer guten Produktvision manifestieren. 

  • Alignment:
    Die Produktvision stellt sicher, dass wir alle an einem Strang ziehen. Sie hilft uns, mit dem gleichen Verständnis an die Entwicklung des Produktes heranzugehen. Das ist besonders deswegen wichtig, weil in Scrum viele unterschiedliche Fähigkeiten in einem Team aufeinander treffen. Ein Alignment auf ein gemeinsames Ziel ist daher absolut notwendig. 
  • Fokus:
    Basierend auf der Produktvision können Teams ableiten, was bei der Entwicklung im Fokus steht. Sie können sich dadurch zum einen besser auf das Wesentliche konzentrieren, zum anderen können sie einfacher identifizieren, was “out of scope” ist.
  • Potenzial:
    Die Produktvision ermöglicht es uns, Potenzial zu nutzen. Dadurch, dass sie uns die grobe Richtung vorgibt, hilft sie bei der Beantwortung der Frage “Was können wir selbst machen und was kaufen wir hinzu?” Ressourcen und damit auch Potenziale innerhalb des Teams können dadurch effizienter genutzt werden. Dies schafft eine positive Teamdynamik und die richtige Motivation, ein erfolgreiches Produkt zu entwickeln.
  • Orientierung:
    Ein wichtiger Vorteil der Produktvision ist die Orientierung, die sie allen vermittelt. Gerade weil das Product Backlog sich dynamisch entwickelt, benötigt man in Scrum eine Konstante, nach der das Backlog gestaltet werden kann. Die Produktvision stellt genau diese Konstante dar. 
  • Product Owner Empowerment:
    Ein weiterer, meiner Meinung nach sehr wichtiger Punkt ist das Product Owner Empowerment. Oft wird der Product Owner lediglich als eine Art “Product Backlog Administrator” genutzt und weniger als “Navigator” zum übergreifenden Ziel. Durch das Vorhandensein einer guten und aktiven Produktvision kann sichergestellt werden, dass der Product Owner seiner Verantwortung gerecht werden kann. Dadurch, dass das übergreifende Ziel in Form einer Produktvision sichtbar und konkret wird, schöpft der Product Owner auch seine Kraft für das Stakeholder Management. Er kann damit viel einfacher verdeutlichen, was im Einklang zur Vision steht und was nicht. 

Die Product Vision erstellen und leben:
Zwei Herausforderungen auf dem Weg zum erfolgreichen Produkt.

 

Auf dem Weg zu einem Produkt, das am Markt den Unterschied macht, gibt es zwei große Herausforderungen: Die Erstellung der Vision und das aktive leben der Vision in Scrum. Um die Erstellung der Produktvision zu erleichtern gibt es praktische Strukturen und Techniken, die Teams dabei helfen, gemeinsam eine gute Produktvision zu finden und zu formulieren. Die Produktvision zu leben ist jedoch vergleichsweise schwer und bedarf mehr als einer Technik oder Methode. Es ist essentiell, dass sich alle Beteiligten über die Wichtigkeit einer guten Produktvision in Scrum im Klaren sind und sich stets mit ihr auseinandersetzen. Nur wenn sie aktiv gelebt wird, kann sie zu dem Leuchtturm werden, der dem Scrum Team Orientierung gibt auf dem Weg zu einem erfolgreichen Produkt. 

1. Eine gute Product Vision leben

 

Damit die Produktvision zu dem Leuchtturm wird, der das Scrum Team zu einem erfolgreichen Produkt navigiert, muss sie aktiv in Scrum eingebunden werden. Konkret bedeutet das, dass sie für das Team präsent sein und damit in den einzelnen Events eine Rolle spielen muss. 

  • Backlog Refinement
    Die Produktvision sollte beim Backlog Refinement eine Rolle spielen. Das Team sollte sich hier stets die Frage stellen, ob das Product Backlog in Hinblick auf das übergreifende Ziel (die Produktvision) gut und konsequent gepflegt ist. 
  • Sprint Planning
    Im Sprint Planning wird das Sprint-Ziel festgelegt. Die Festlegung des Ziels sollte jedoch nicht isoliert ablaufen, sondern ebenfalls in Hinblick auf die übergreifende Produktvision erfolgen. 
  • Sprint Review
    Die Produktvision findet auch im Sprint Review Anwendung. Im Review sollte eine Einordnung des aktuellen Sprints in den übergeordneten Kontext, also die Produktvision, erfolgen.

Durch diese aktive Einbindung in Scrum sorgt die Produktvision für Orientierung und Überblick und navigiert das Scrum Team zu einem erfolgreichen Produkt. 

2. Eine gute Product Vision erstellen

Für die Erstellung einer Produktvision gibt es praktische Techniken, die Teams dabei helfen, gemeinsam eine gute Produktvision zu finden und zu formulieren. Welche Technik eingesetzt wird, hängt davon ab, wie viel von der Produktvision bereits vorliegt und wie klar das Verständnis über dieses gemeinsame Ziel ist. 

 

  • Das Elevator Pitch Template
    Das Elevator Pitch Template ist ein Template zur Erstellung der Produktvision. Das Template regelt vornehmlich die Struktur und die Formulierung und hilft dabei, die wesentliche Items einer guten Vision aufzugreifen. Es basiert auf der Idee, alles Wissenswerte über das Produkt so zu verdichten, dass es in maximal 10 Sekunden präsentiert und “verkauft” werden kann. Dieses Template ist vor allem dann geeignet,  wenn die Vision schon mehr oder weniger im Team vorhanden ist, jedoch noch konsolidiert und aufs Papier gebracht werden muss. 

 

  • Fiktive Pressemitteilungen
    Bei der fiktiven Pressemitteilung als Technik zur Erstellung einer Produktvision überlegen sich alle Beteiligten, wie das Produkt in den Medien angekündigt würde, wenn es bereits fertig wäre. Die Technik basiert auf der Annahme, dass sich durch das Schreiben einer fiktiven Produktankündigung auf relativ natürliche Weise aufzeigt, welche Eigenschaften das Produkt ausmachen und welche Rolle sie später bei der Veröffentlichung spielen werden. Durch dieses Vorgehen wird klarer, welche Teile des Produktes von großer Bedeutung für dessen Erfolg sind.  
Elevator Pitch Template aus Crossing the Casm von Geoffrey Moore
  • Die Fiktive Produktbox
    Die fiktive Produktbox (Innovation Games) stellt ein besonders aktivierendes Mittel zur Erstellung einer Produktvision dar. Bei dieser Methode werden alle Beteiligten im Rahmen eines Workshops gebeten, eine fiktive Produktverpackung zu gestalten. Die eingesetzten Mittel können dabei sehr einfach gehalten werden: Ich nutze häufig eine Müsliverpackung, die ich mit einem weißen Papier beklebe. Die Gruppe hat somit eine einfache Produktverpackung, die mit den relevanten Merkmalen des Produktes gestaltet werden kann. Auf diese Weise wird dem Team schnell klar, welche wichtigen Eigenschaften des Produkt wichtig sind und damit auch, welche Eigenschaften bei der Entwicklung eine übergeordnete Rolle spielen.

Was eine Product Vision zu einer wirklich guten Product Vision macht …

 

Eine gut formulierte Produktvision lässt sich an drei einfachen Kriterien erkennen: 

  1. Eine gute Produktvision muss kurz und knapp formuliert sein.
    Eine wirklich gute Produktvision sollte nicht zu ausführlich formuliert sein. Eine mehrseitige Beschreibung führt zu Unübersichtlichkeit und sorgt zudem dafür, dass man sich an einzelnen, zu detailreichen Formulierungen aufhält. Mein Tipp: Um die Übersicht zu wahren und sicherzustellen, dass alle Beteiligten die komplette Vision kennen, sollte eine ausformulierte Produktvision nicht länger als eine halbe Seite sein. 
  2. Eine gute Produktvision hat eine gewisse Breite und ist gleichzeitig eingrenzend:
    Eine gute Produktvision gibt dem Team ausreichend Freiheit um Technologien selbst festzulegen. Gleichzeitig ist sie konkret genug um dem Team klarzumachen, worauf  hinarbeitet. Formulierungen wie “das Produkt soll viele Lieder abspielen können” oder eine “lange Akkulaufzeit haben” lassen zwar jegliche Freiheit für die Technologiewahl, sie sind allerdings nicht konkret genug, da jeder eine andere Idee davon haben kann, was “viel” oder “lange” bedeutet. Es gilt, trotz einer gewissen Breite konkret genug zu sein, um zu verdeutlichen, worauf hingearbeitet werden soll.
  3. Eine gute Produktvision muss von allen Beteiligten geteilt werden:
    Die wichtigste Eigenschaft und gleichzeitig die größte Herausforderung einer guten Produktversion ist das „Buy-In“ aller Beteiligten. Um ein erfolgreiches Produkt mit einer klaren Vision entwickeln zu können, muss die Produktvision von allen Beteiligten geteilt werden und nicht nur von einigen Mitgliedern.

Häufig entstehen Produktvisionen isoliert. Sie werden von einem gewissen Personenkreis auf Führungsebene formuliert und danach der Belegschaft vorgestellt. Fragen werden bei einer solchen initialen Präsentation häufig nicht gestellt. Dies hat zur Folge, dass viele nicht wissen, worum es eigentlich geht oder aber, dass mancher zwar weiß worum es geht, jedoch anderer Meinung ist. Eine solche isolierte Erstellung der Produktvision ist nicht vorteilhaft, da weder die unterschiedlichen Sichtweisen und Kompetenzen berücksichtigt werden, noch das Verständnis und das Buy-In der Beteiligten vorhanden ist. Auch wenn die Vision prominent in der Organisation platziert wird, führt diese Form der Erstellung dazu, dass sie nach kurzer Zeit wieder in Vergessenheit gerät oder sogar ignoriert wird. 

Eine gute Vision entsteht gemeinsam

 

Im Idealfall erfolgt die Erstellung der Produktvision gemeinsam in einer Co-Creation mit allen Beteiligten. Diese Vorgehensweise sorgt dafür, dass die unterschiedlichen Sichtweisen berücksichtigt werden und die Produktvision, durch die Beteiligung aller, mit hoher Wahrscheinlichkeit auch von allen geteilt wird. In der Praxis ist diese Idee der gemeinsamen Gestaltung häufig aufgrund von Hierarchien nicht realistisch. Es gibt aber weitere Möglichkeiten dafür zu sorgen, dass Produktversionen nicht isoliert erstellt werden. 

 

  • Kleiner Kreis, frühes Feedback.
    Wenn die Produktvision noch nicht vorhanden ist, ist es möglich, diese im ersten Schritt in einem kleinen Kreis (beispielsweise auf Führungsebene) zu erstellen. Der zweite Schritt ist jedoch essentiell: Nach der Erstellung gilt es, sich nach kurzer Zeit ein Feedback eines erweiterten Personenkreises einzuholen und die Vision in vielerlei Hinsicht zu hinterfragen. Wichtig dabei ist, dass die Fragen ehrlich und aufrichtig aufgegriffen und berücksichtigt werden. Ist das der Fall, entsteht Schritt für Schritt auch Ownership bei allen Beteiligten. Das verbessert nicht nur die Produktvision, sondern sorgt gleichzeitig auch für mehr Akzeptanz. 
  • Die Drei Visionen
    Die “Drei Visionen” Technik wende ich gern an, wenn das Ziel eigentlich klar ist, die Vorstellungen in einzelnen Fraktionen (z.B. Abteilungen) allerdings nicht übereinstimmen. Es gilt dann, alle Fraktionen an einen Tisch zu bringen. In dieser Runde sollen sich alle Beteiligten darüber austauschen, was sie als notwendig für eine gute Produktvision erachten. Ich nutze hierfür gerne das Elevator Pitch Template, weil es dem Ganzen eine gewisse Struktur gibt. Ich gebe jeder Gruppe 15 Minuten Zeit, um eine Produktvision mit diesem Template zu erstellen. Danach sollen die Visionen vorgestellt werden. An dieser Stelle gibt es dann drei mögliche Ereignisse, die eintreten können: 

    • Alignment:  Die Gruppen sind aligned und haben wider Erwarten ein klares Verständnis vom Produkt und der Richtung, die sie einschlagen wollen. Die Technik hat geholfen, zu zeigen, dass alle im gleichen Boot sitzen. 
    • Schwammige Statements: Schwammige Statements spiegeln an dieser Stelle häufig die vorherrschende Fehlerkultur in Organisationen wider. Durch das Sichtbarmachen dieser unklaren Darstellung hat man dann die Chance, einzelne Statements zu hinterfragen, zu challengen und so die Sicht zu vereinheitlichen. 
    • Kein Alignment:  Es zeigt sich, dass die Gruppen ein unterschiedliches Verständnis von der Vision des Produktes haben. Die Erkenntnis, nicht aligned zu sein ist dennoch sehr wertvoll. Basierend darauf können weitere Maßnahmen getroffen werden, die die unterschiedlichen Sichtweisen vereinheitlichen (siehe Techniken zur Erstellung eine Produktvision).

Zusammenfassung

Die Wichtigkeit der Product Vision wird oft unterschätzt. Eine gute Product Vision kann helfen, den Unterschied zu machen und dazu beitrage, bessere Produkte auf eine bessere Art und Weise zu entwickeln. Die Herausforderungen liegen sowohl in der Erstellung als auch darin, die Vision zu leben. Um sie zu leben, muss sie aktiv in Scrum einbezogen werden. Um eine gute Product Vision zu erstellen, ist die optimale Technik die Co-Creation aller Beteiligten. Da dies in vielen Organisationen unrealistisch ist, stellen das frühe Einholen von Feedback sowie Techniken zur Prüfung und Vereinheitlichung der unterschiedlichen Vorstellungen eine Alternative dar.

Ich hoffe, ich konnte mit meinen Tipps neue Impulse liefern, wie du eine gute Produktvision erstellen und diese aktiv leben kannst. Hast du Fragen oder Anmerkungen? Ich freue mich über Feedback.

Übrigens: Solltest Du interessiert sein, dich im Rahmen eines Trainings noch einmal genauer mit den Scrum Events oder Rollen theoretisch sowie praktisch auseinanderzusetzen, empfehle ich das Certified Scrum Master Training. Speziell für Product Ownership empfehle ich das Certified Porduct Owner Training.

 

 

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