Wie hilft der Scrum Master dem Product Owner?

Gutes Product Ownership ist essentiell, um nicht nur einen großen Umfang zu liefern, sondern möglichst auch viel Wert. Das als Product Owner zu schaffen, funktioniert nur im Zusammenspiel mit dem Scrum Team und dessen Umfeld. Dies jedoch zu erreichen ist nicht trivial und der Scrum Master hilft dem Product Owner als wichtiger Partner, um gute Product Ownership zu erreichen.

Was ist Product Ownership?

 

Product Ownership heißt für uns, im eigenen Kontext, Verantwortung für das Produkt zu übernehmen und dabei jederzeit zu wissen und zu entscheiden, was das Wertvollste ist, an dem wir mit Fokus arbeiten.

 

Herausforderungen eines guten Product Ownerships

 

Die meisten Produkte entstehen nicht in einem leeren Raum. Viele unterschiedliche Einflüsse wirken auf das Scrum Team ein und machen es nicht immer leicht, gutes Product Ownership zu erreichen. Hier eine Auswahl typischer Herausforderungen: 

 

An einer konsequenten Ausrichtung auf ein übergreifendes Produktziel (Vision) festzuhalten, kann mitunter schwierig sein. Neue Anforderungen prasseln ständig auf den PO ein. Maßnahmen des Wettbewerbs, kurzfristige Vertriebschancen, lustige Ideen deiner Fachbereiche oder auch technische Hürden drängen den PO immer wieder ins reaktive Handeln, statt aktiv das Produkt zu gestalten.

 

Es gibt eine konkrete Gefahr, als PO die strategische Produktentwicklung zu vernachlässigen. Auf der operativen Seite gibt es eine Beziehungsebene in der Zusammenarbeit mit dem Entwicklungsteam. Diese Menschen sind Kolleginnen und Kollegen,  mit denen ich täglichen Umgang habe und mit denen ich mich gern verstehen möchte. Wenn sie mir als PO “aktiv auf den Füßen” stehen (“Du hast nie Zeit!” oder “Die Story ist nicht gut genug geschrieben und das Backlog nicht gut vorbereitet.”) tendiere ich als PO in der Regel dazu, diesen Wünschen als erstes gerecht zu werden. Im Ergebnis vernachlässige ich dabei aber taktische und vor allem strategische Elemente der Produktentwicklung. Denn es “schreit” keiner bei fehlender kontinuierlicher Marktbeobachtung, unzureichender Wettbewerbsanalyse oder ohne stetiges Einholen von regelmäßigem User Feedback. 

 

Ein guter Product Owner braucht zur erfolgreichen Produktentwicklung ein Entwicklungsteam auf Augenhöhe, was eigenständig Verantwortung im Sprint übernimmt und seine Expertise in der Ausgestaltung des Backlogs frühzeitig mit einbringt. Ohne dies würde der Product Owner zum Einen zu stark im Sprint eingebunden sein und zum Andern wird das Team zur stumpfen “Delivery-Einheit”, deren kollektive Expertise und unterschiedliche Blickwinkel nicht genutzt werden. In der Konsequenz werden Risiken und Chancen zu spät gesehen. 

 

Dies ist nur ein Auszug von Herausforderungen, denen wir in der Praxis begegnen. Alleine als Product Owner sind diese kaum zu bewältigen. Scrum ist ein Teamspiel.

Wie hilft ein guter Scrum Master dem Product Owner?

 

Damit ein Produkt in einem komplexen Umfeld mit hohem Impact inkrementell entwickelt werden kann, benötigen wir einen funktionierenden Grundrahmen der iterativen Produktentwicklung. Dies beinhaltet Verantwortungsübernahme des Entwicklungsteams für das Sprint- Ziel, sowie fokussierte Runden (Sprint Planning, Sprint Review, Product Backlog Refinement) in denen gemeinsam aus den unterschiedlichen Disziplinen zusammengearbeitet wird. 

 

Damit das Produkt in Richtung eines gemeinsamen Zieles wert optimiert entwickelt werden kann, benötigen wir ein gemeinsames Verständnis zur Ausrichtung des Produkts. Ein guter Scrum Master ist “Sparringpartner” für PO und Team, um das theoretische Verständnis praktisch umzusetzen. Er achtet darauf, dass dieser Aspekt nicht vernachlässigt wird. Er leistet methodische Unterstützung des POs und Verständnis und Ausrichtung des Teams auf das übergreifende Ziel des Produkts zu entwickeln. 

 

Damit ein engagierter und offener Austausch über die Weiterentwicklung des Produkts entstehen kann, sorgt der ScrumMaster für eine effektive Kommunikation im Refinement-Prozess, dem Sprint Planning und im Sprint Review, sodass die unterschiedlichen Blickwinkel und Erfahrungen im Sinne der jeweiligen Runden einfließen.

 

Der Scrum Master sorgt sich um eine wertschätzende, positive Zusammenarbeit von Product Owner und Entwicklungsteam auf Augenhöhe. Hierzu gehören Delegation und ein Verständnis gemeinsamer Verantwortung, sowie ein Verständnis, dass alle “in einem Boot” sitzen. Er sorgt damit für eine gute und effektive Aufstellung des Entwicklungsteams in Richtung der Produktausrichtung.

 

Ein guter Scrum Master schaut darauf, dass wir alle kritischen Stakeholder kennen und aktiv mit in unsere Produktentwicklung integrieren. Dabei reflektiert er beispielsweise mit dem Product Owner schwierige Stakeholder Situationen und hilft ihm, aus diesen zu lernen. Ebenso kann er sich methodisch in Priorisierungsrunden einbringen und so helfen, dass mehr Klarheit für alle entsteht.

 

Und wie hilft ein guter Scrum Master dem Product Owner nicht!

 

Ein guter Scrum Master übernimmt nicht die operativen Arbeiten für den Product Owner, sondern hilft dabei Entwicklungsbereiche anzugehen und Problembereiche aufzulösen. 

Ein guter Scrum Master schaut auf eine gute Stakeholder- Einbindung, er übernimmt diese Rolle aber nicht als Sprachrohr bzw. “Außenminister”.

Ein guter Scrum Master organisiert nicht das selbstorganisierte Team, sondern schafft einen Rahmen in dem seine Mitglieder ihrer Verantwortung wirklich gerecht werden können.

 

Fazit

 

Das Aufgabengebiet des Product Owners ist vielschichtig und anspruchsvoll. Der Scrum Master kann dem Product Owner helfen, seiner Rolle und in Interaktion mit dem Scrum Team seiner Verantwortung für das Produkt gerecht zu werden. Er hilft dabei kritische Handlungsfelder aufzudecken und diese gut auszugestalten.

Wir haben bisher keine Scrum Umgebung in der Praxis gesehen, die ohne einen guten Scrum Master auf Dauer erfolgreiche Produkte entwickelte.

Wir hoffen, dass dieser Einblick in die Zusammenarbeit von SM, Team und PO eine kleine Hilfe darstellt und den Fokus mehr auf ein gutes Teamwork legt, um das gewünschte Ziel/ Produkt bestmöglich zu liefern.

 

Vielen Dank Tim für den tollen Austausch beim Schreiben und deinem Input zu diesem Thema!

 

Co-Autor für diesen Blog war: 

Tim Klein ist freiberuflicher Agile Product Coach und Mit-Herausgeber des deutschsprachigen Podcasts für Product Owner Die Produktwerker.